Malborghetto – Udine
Heute morgen sind wir bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht. Schon um 09:00 Uhr waren wir mit unserem Frühstück fertig . Packen und nix wie auf‘s Rad. Bisher haben wir noch nicht einmal Luft nachpumpen müssen, das Material hält, Toi Toi Toi.

Der schönste Abschnitt der Alpe Adria Tour sollte heute kommen, das Kanaltal. Hier einige Informationen dazu:
Die letzten beiden Etappen auf italienischer Seite gehen durch die Region Friaul-Julisch Venetien im äußersten Nordosten Italiens. Ab dem Startpunkt Tarvis beginnt das sogenannte Kanaltal. Über fast 50 Kilometer verläuft der Radweg auf einer stillgelegten Bahntrasse, immer am Fluss Fella entlang. Es ist zweifelsohne einer der spektakulärsten Abschnitte auf der gesamten Strecke. Das Kanaltal ist ein enges Tal, in dem an manchen Stellen Autobahn und Radweg nur knapp nebeneinander passen. Die Gleise der ehemaligen Bahntrasse haben einem gut ausgebauten, asphaltierten Radweg Platz gemacht. Auf der Strecke fährt man durch 22 Tunnel und über zahlreiche Eisenbahnbrücken, ein ganz besonderes Fahrraderlebnis mit spektakulären Ausblicken auf die Landschaft und den Fluss Fella.









Die Trasse wurde mit Mitteln der EU angelegt – auch um die abgelegene Gegend wirtschaftlich etwas zu stärken. Das scheint zu funktionieren, weil durch den Alpe Adria Radweg mehr Menschen auf die Region aufmerksam werden und sich langsam eine Infrastruktur für Fahrradfahrer entwickelt.

Ein beliebter Zwischenstopp ist der alte Bahnhof in Chiusaforte, hier spürt man den Charme vergangener Tage. Es gibt ein Café mit leckeren italienischen Kleinigkeiten. Man ist hier gut auf die vorbeikommenden Fahrradfahrer eingestellt. Es gibt Werkzeug und für alle Fälle sogar einen Mechaniker, der hilft. Natürlich wurde auch an die E-Biker gedacht, die ihre Akkus aufladen können.







Kurz vor Venzone passieren wir den Tagliamento. Es ist der letzte Wildfluss der Alpen und das größte naturnahe Flusssystem Europas. Ohne Wehre und Betonbegradigungen fließt er auf 100 Kilometer frei durch die Landschaft des Friaul. An einigen Stellen kann er bis zu 2 Kilometer breit werden. Unfassbar, diese Farbe!



Es ist unfassbar schön hier. Das solltet Ihr alle mal machen, man bekommt so viele Eindrücke und heute könnte das Wetter nicht besser sein, 25 Grad und ein leichter Fahrtwind. 😊😊
Venzone
Am Ende des Kanaltals liegt Venzone, ein kleiner Ort mit einer sehr besonderen Geschichte. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein mittelalterliches Dorf aus dem 14. Jahrhundert. In Wirklichkeit ist Venzone aber nagelneu. Es wurde 1976 durch ein Erdbeben komplett zerstört. Das erste Beben war im Mai. Nach dem schweren Nachbeben im September lag alles in Schutt und Asche, viele Menschen starben. Die Bevölkerung, die sich gerade von dem Beben im Mai erholt hatte, stand im September endgültig vor dem Nichts.
Einige Monate nach dem Beben entschied ein Bürgerkomitee, dass Venzone nach dem Wiederaufbau wieder so aussehen sollte wie vorher. Das war möglich, weil der Ort schon vor dem Beben zum nationalen Denkmal erklärt worden war. Es gab mehr als 100.000 archivierte Fotos, anhand derer die Position jedes einzelnen Steins rekonstruiert werden konnte. Alle Steine wurden auf einem riesigen Feld zusammengetragen, mit Nummern versehen und schließlich wieder an ihrem Originalplatz eingesetzt, wie in einem endlosen Puzzle. Auch große Teile des komplett zerstörten Doms konnten auf diese Art und Weise wieder rekonstruiert werden. In der zentralen Kirche wollte man die Spuren des Erdbebens für immer sichtbar lassen. Die zerstörten Heiligenfiguren wurden nicht restauriert und die Freskenstücke nicht wieder ergänzt. Besucher können sich im Erdbebenmuseum von Venzone eindringlich ein Bild von der Katastrophe machen.









Direkt hinter Venzone fängt die friulanische Tiefebene an. Landschaft und Vegetation werden immer mediterraner, und immer wärmer wird es auch. Die nächsten 45 Kilometer fahren wir ohne nennenswerten Zwischenstopp, erst durch ein Naturschutzgebiet, dann durch die Vororte von Udine. Aber auch das ist sehr reizvoll weil man wirklich fast alleine hier radelt. Tolle Weinreben rechts und links begleiten uns und die Berge werden immer kleiner.




Nach genau 112,34 km sind wir im Hotel in Udine angekommen, dieses Mal ist es ein Business Hotel aber mit Schwimmbad und das hat uns nach der Tour richtig gut getan. Heute Abend geht es ins Fogola 1905. mehrfach mit dem Michelin ausgezeichnet. Wir sind gespannt.




Tagesdetails


Das Local Beer ist heute natürlich ein Sauvignon aus dem Friaul



Ich kann mich gar nicht an alles erinnern. Die Tunnel, vielen Bahnhöfe, stillgelegt und Zeitzeugen einer anderen Zeit, Nudeln in Chiusaforte, die Verwirrung bei der Autobahn- wo geht denn hier der Radweg weiter… Jürgen auf der Suche nach dem Wasser 💦. Dann verlassene Dörfer, da werden wir noch öfter kommen müssen, um das alles zu beleben. Leckeres Eis, Kühe im Wäldchen, plötzlich doch noch etwas bergauf… dann eine Kirche. Schnell das Hotel gebucht . Und noch weitere 25 km oder so über Felder. Endlich Hotel und Jürgen ist weg… weil 111 km nicht genug ist 😉. Und jetzt ein leckeres Abendessen, ich liebe Dich! Das sind intensive Tage, ich hoffe, dass wir uns noch lange gemeinsam erinnern.
❤️ Die Häsin